Der Sonntagmorgen begann im Gemdental mit dichtem Nebel. Während sich die ersten Sonnenstrahlen langsam ihren Weg durch die Thüringer Landschaft bahnten, wartete bereits der zweite Renntag des Sprint-Enduros der Deutschen Enduro Meisterschaft auf Fahrer und Zuschauer. Pünktlich um 8:00 Uhr eröffnete die Mini Enduro Europameisterschaft den Renntag. Die Nachwuchstalente kämpften sich zunächst durch die morgendlichen Nebelschwaden, ehe sich Petrus von seiner besten Seite zeigte. Strahlender Sonnenschein, blauer Himmel und sommerliche Temperaturen sorgten für perfekte Bedingungen und eine beeindruckende Kulisse rund um die drei abwechslungsreichen Sonderprüfungen.
Nachdem die Sieger der Mini Enduro Europameisterschaft feststanden, richtete sich der Blick auf den Höhepunkt des Tages. Fünf Runden mit jeweils drei Sonderprüfungen warteten auf die Fahrer der Deutschen Enduro Meisterschaft. Nach der Überraschung des Vortages stellte sich vor allem eine Frage: Konnte Henry Strauss seine sensationelle Leistung bestätigen oder blieb der dritte Gesamtrang eine einmalige Geschichte?
Bereits in den ersten Prüfungen wurde deutlich, dass sich an der Spitze erneut alles auf einen Zweikampf zuspitzen würde. Triumph-Pilot Jeremy Sydow präsentierte sich einmal mehr in beeindruckender Form. Die trockenen und harten Bedingungen kamen dem Tabellenführer entgegen. Seine Erfahrungen aus den vergangenen Läufen der EnduroGP waren deutlich zu erkennen. Ruhig, kontrolliert und nahezu fehlerfrei bewegte sich Sydow durch alle drei Sonderprüfungen.
Doch der amtierende Deutsche Meister Luca Fischeder wollte seinem Konkurrenten den Tagessieg keineswegs kampflos überlassen. Der Sherco-Pilot hatte am Samstag noch mit einer Grippe zu kämpfen, wirkte am Sonntag jedoch deutlich erholter und ging von Beginn an voll auf Angriff. Besonders im Cross-Test setzte Fischeder immer wieder die Bestzeiten und verkürzte den Rückstand auf seinen Dauerrivalen kontinuierlich.
Jeremy Sydow ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Während Fischeder im Cross-Test glänzte, konterte der Triumph-Pilot eindrucksvoll im Enduro- und Extreme-Test. Mit seiner außergewöhnlichen Konstanz verteidigte er Runde für Runde die Gesamtführung und hielt den Druck seines Verfolgers bis zum Schluss stand.
Die Zuschauer entlang der Strecke erlebten Motorsport auf höchstem Niveau. Zwei Ausnahmekönner lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, bei dem jede einzelne Sekunde zählte. Genau diese Duelle machen die Deutsche Enduro Meisterschaft seit Jahren aus und zeigten einmal mehr, wie eng die Leistungsdichte an der Spitze inzwischen geworden ist.
Am Ende behielt Jeremy Sydow zwar erneut die Oberhand, doch so knapp wie selten zuvor. Mit lediglich 23 Sekunden Vorsprung sicherte sich der Triumph-Pilot den zweiten Championatssieg des Wochenendes vor Luca Fischeder und bleibt damit auch nach Großlöbichau weiterhin ungeschlagen. Gleichzeitig feierten beide Fahrer den Sieg in ihren jeweiligen Klassen.
Für die nächste große Geschichte des Wochenendes sorgte erneut Henry Strauss. Wer seinen dritten Gesamtrang vom Samstag noch als Überraschung abgestempelt hatte, wurde am Sonntag eindrucksvoll eines Besseren belehrt. Der erst 17-Jährige etablierte sich besonders im Enduro- und Extreme-Test erneut unter den schnellsten Fahrern des gesamten Feldes. Lediglich im Cross-Test musste Strauss einige Sekunden auf die Konkurrenz einbüßen. Dennoch verteidigte er souverän den dritten Gesamtrang im Championat und feierte gleichzeitig einen weiteren Sieg in der Juniorenklasse J1. Der Hard-Enduro-Spezialist bewies eindrucksvoll, dass sein Erfolg keine Eintagsfliege war und gehört spätestens nach diesem Wochenende endgültig zu den positiven Überraschungen der Saison.
In der Klasse E2 setzte sich erneut der Tscheche Matyas Chlum durch. Nach einem schwierigen Start steigerte er sich von Prüfung zu Prüfung und sicherte sich mit einer konstant starken Leistung verdient den Klassensieg.
Auch in der Klasse E3 zeigte Toni Hoffmann eine starke Vorstellung. Der ehemalige Motocross-Profi spielte insbesondere im Cross-Test seine Stärken aus und machte dort entscheidend Zeit gut. Zwar verlor der BVZ-Pilot in den technisch anspruchsvolleren Prüfungen wieder etwas Boden, dennoch durfte er sich über Rang zwei in der Klasse sowie einen starken fünften Platz im Championat freuen.
Nicht ganz zufrieden zeigte sich dagegen Triumph-Pilot Yanik Spachmüller. Mit einem Schmunzeln erklärte er nach dem Rennen, dass ihm die trockenen und ausgefahrenen Bedingungen deutlich weniger entgegenkamen als noch am Vortag. Entsprechend wechselhaft verliefen seine Sonderprüfungen. Dennoch sammelte er mit Rang drei in der Klasse E1 weitere wichtige Punkte für die Meisterschaft.
Großen Grund zur Freude hatte dagegen Max Stradner. Der Beta-Pilot zeigte auf seiner 125-Kubik-Maschine eine beeindruckende Vorstellung. Trotz mehrerer kleiner Ausrutscher ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und kämpfte sich immer wieder zurück. Seine starke Moral wurde schließlich mit dem Sieg in der Juniorenklasse J2 belohnt.
Leider konnte der zweite Renntag nicht über die volle Distanz ausgetragen werden. Aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls auf einer nahegelegenen Autobahn wurden sämtliche verfügbaren Rettungskräfte und Notärzte zu diesem Einsatz alarmiert. Nach Rücksprache mit Rennleitung und Verantwortlichen entschied man sich deshalb aus Sicherheitsgründen für einen vorzeitigen Abbruch der Veranstaltung, da eine medizinische Absicherung des Rennens nicht mehr im erforderlichen Umfang gewährleistet werden konnte. Eine Entscheidung, die zwar schade war, jedoch von allen Beteiligten mitgetragen wurde – die Sicherheit der Fahrer steht jederzeit an erster Stelle.
Trotz des vorzeitigen Endes fällt das Fazit der Veranstalter durchweg positiv aus. Das Organisationsteam des MSTC Gemdental präsentierte gemeinsam mit den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern ein hervorragend organisiertes Sprint-Enduro-Wochenende und zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial dieses Format besitzt.
„Wir wollten den Fahrern und Zuschauern ein Wochenende bieten, das den Endurosport von seiner besten Seite zeigt – und ich glaube, genau das ist uns gelungen. Natürlich hätten wir den Renntag gerne regulär beendet, aber bei der Sicherheit gibt es keine Kompromisse. Mein großer Dank gilt allen Helfern, Sponsoren, Behörden und den vielen Ehrenamtlichen, die mit ihrem unglaublichen Einsatz diese Veranstaltung überhaupt möglich gemacht haben. Gleichzeitig freut es mich besonders, dass wir an beiden Tagen hochklassigen Sport erlebt haben und die Veranstaltung ohne schwerwiegende Verletzungen der Teilnehmer verlaufen ist“, resümierte Organisationsleiter Günter Dressel.
Mit packenden Zweikämpfen, hervorragenden Streckenbedingungen, tausenden begeisterten Zuschauern und spannenden Entscheidungen verabschiedet sich Großlöbichau aus dem DEM-Kalender 2026. Jeremy Sydow reist zwar weiterhin mit einer makellosen Bilanz zum nächsten Meisterschaftslauf, doch der Vorsprung auf seine Verfolger schrumpft. Spätestens nach diesem Wochenende dürfte jedem klar sein: Die Deutsche Enduro Meisterschaft verspricht in den kommenden Läufen noch jede Menge Spannung.






