Rehna wird zur Schlammschlacht – Sydow und Chlum machen ihre Meistertitel perfekt

Enduro kann manchmal ganz anders aussehen, als man es sich im Vorfeld vorstellt. Eigentlich sollte die Rückkehr der Deutschen Enduro Meisterschaft nach drei Jahren Pause nach Rehna ein großes Motorsportfest zum 60-jährigen Vereinsjubiläum des MC Rehna werden. Stattdessen stellte das Wetter Veranstalter, Helfer und Teilnehmer vor eine der größten Herausforderungen des Wochenendes. Dauerregen am Freitag verwandelte die Strecke in eine tiefschlammige Angelegenheit, während kräftiger Wind zusätzlich für schwierige Bedingungen sorgte. Erst am Samstagmorgen zeigte sich das Wetter von seiner freundlicheren Seite – zumindest für einige Stunden. Rund 220 Starter machten sich schließlich auf den Weg und bekamen einen Renntag geboten, der seinem Namen als Geländefahrt alle Ehre machte.
Schon der Weg zur Veranstaltung ließ erahnen, was auf die Teilnehmer zukommen würde. Die Wassermassen des Vortages hatten die Stoppelfelder und insbesondere die Cross-Strecke des MC Rehna massiv aufgeweicht. Entsprechend groß war die Frage, ob und wie die Veranstaltung unter diesen Bedingungen durchgeführt werden konnte. Rennleitung und Veranstalter entschieden sich schließlich dafür, den Lauf stattfinden zu lassen – und sollten dafür belohnt werden. Pünktlich um 8:30 Uhr gingen die ersten Motorräder vor der beeindruckenden Kulisse des Klosterhofs auf die Strecke.

70 Kilometer Enduro und zwei völlig unterschiedliche Prüfungen

Rund 70 Kilometer mussten die Teilnehmer pro Runde bewältigen. Für die DEM-Klassen standen drei Runden auf dem Programm, die übrigen Klassen absolvierten zwei Umläufe. Zwei Sonderprüfungen warteten dabei auf jeder Runde. Den Auftakt bildete der Cross-Test auf der vereinseigenen Motocross-Strecke. Normalerweise hätte die aufwendig vorbereitete Strecke ein echtes Highlight werden sollen. Nach dem Regen vom Freitag war davon allerdings nicht mehr viel übrig. Tiefer Schlamm, große Pfützen und ein Untergrund, der mit jeder Runde schwieriger wurde, machten die Prüfung zu einer echten Herausforderung.
Wer diesen Abschnitt hinter sich gebracht hatte, durfte sich auf eine lange Enduro-Runde durch die Landschaft rund um Rehna freuen. Über Wiesen, Felder und schnelle Passagen führte die Strecke durch das typische norddeutsche Gelände. Der zweite Test war mit einer Fahrzeit von rund elf Minuten deutlich länger und bot vor allem in den schnellen Abschnitten beste Voraussetzungen für spannende Positionskämpfe.
Doch während die Fahrer zunächst noch auf einen halbwegs trockenen Renntag hoffen konnten, sollte der Regen später noch einmal zum entscheidenden Faktor werden.

Jeremy Sydow fährt in einer eigenen Liga

Einer, der sich davon überhaupt nicht beeindrucken ließ, war Jeremy Sydow. Der Chemnitzer brachte das Selbstvertrauen seiner starken Auftritte auf internationaler Bühne mit nach Rehna und setzte vom ersten Meter an ein Ausrufezeichen. Der Triumph-Pilot fand sofort seinen Rhythmus und ließ der Konkurrenz in den Sonderprüfungen keine Chance. Ob tiefer Schlamm auf dem Cross-Test oder schnelle Passagen im Endurotest – Sydow bewegte seine Maschine mit einer Präzision, die einmal mehr deutlich machte, warum er aktuell das Maß der Dinge im deutschen Endurosport ist.
Am Ende stand eine beeindruckende Bilanz: sechs Sonderprüfungen, sechs Bestzeiten. Sydow blieb damit über den gesamten Renntag ungeschlagen und sicherte sich souverän den Sieg im Championat.
Doch für ihn war der Tag noch aus einem anderen Grund besonders. Mit seinem Erfolg in Rehna machte Jeremy Sydow gleichzeitig die vorzeitige Titelverteidigung in der Klasse E1 perfekt. Der Triumph-Pilot ist damit erneut Deutscher Meister in seiner Klasse.
Der E1-Titel war allerdings nicht das einzige Ziel, das Sydow an diesem Wochenende im Blick hatte. Im Championat ist die Entscheidung noch nicht gefallen – und genau dort will der Chemnitzer beim Finale in Streitberg ebenfalls ganz oben stehen.

Fischeder bleibt erster Verfolger

Hinter Sydow entwickelte sich der Kampf um Platz zwei deutlich spannender. Luca Fischeder erwischte einen starken Renntag und war erneut derjenige, der dem späteren Sieger am nächsten kam.
Der Sherco-Pilot konnte Sydow zwar in keiner Prüfung schlagen, hielt den Rückstand aber über weite Strecken in Grenzen. Am Ende trennten die beiden im Championat nur gut eine halbe Minute. Fischeder bestätigte damit einmal mehr seine Rolle als stärkster Verfolger Sydows.
Gleichzeitig holte er sich den Sieg in der Klasse E3. Einen weiteren Schritt Richtung Meisterschaft konnte er allerdings noch nicht machen. Sein Titelkampf bleibt bis zum Finale offen. Gerade Toni Hoffmann, der auf den schnellen Passagen des Cross-Tests seine Motocross-Erfahrung ausspielen konnte, hält die Entscheidung weiter offen.
Auch Maximilian Wills zeigte eine starke Leistung und beendete den Renntag auf Rang zwei der E3- Klasse. Für Fischeder bleibt damit klar: Der Titel wird erst in Streitberg endgültig vergeben.

E2-Thriller: Matyas Chlum wird erneut Deutscher Meister

Noch spannender wurde es in der Klasse E2. Für Matyas Chlum war Rehna ein Rennen, bei dem es um weit mehr als nur den Tagessieg ging.
Der Tscheche musste gewinnen, um sich bereits vor dem Finale zum Deutschen Meister zu krönen. Entsprechend groß war der Druck. Und genau das merkte man dem Sherco-Piloten zunächst auch an. Die erste Runde verlief nicht nach Wunsch, einige Fehler kosteten wichtige Sekunden.

Hinter ihm blieb Franz Lövquist auf seiner Yamaha hartnäckig. Der Schwede machte Druck und hielt den Abstand über den gesamten Renntag gering. Chlum musste also bis zum letzten Meter kämpfen. In der letzten Sonderprüfung wurde es schließlich noch einmal richtig eng. Mehrere kleinere Stürze kosteten Chlum jeweils einige Sekunden. Lövquist kam bis auf weniger als eine Sekunde heran. Doch auch der Schwede blieb nicht fehlerfrei und so brachte Chlum seinen hauchdünnen Vorsprung ins Ziel.

0,81 Sekunden entschieden letztlich den Sieg in der E2-Klasse zugunsten von Matyas Chlum

Damit hatte der Tscheche genau das geschafft, was er sich vorgenommen hatte: Er gewann und sicherte sich gleichzeitig vorzeitig den Deutschen Meistertitel in der E2. Für Chlum ist es bereits der zweite deutsche Meistertitel, nachdem er 2024 die E3-Klasse für sich entschieden hatte.
Eine besondere Bedeutung hat dieser Titel auch deshalb, weil Chlum beim Finale in Streitberg nicht am Start sein wird. Dort steht für ihn der Einsatz mit der tschechischen Trophy-Mannschaft bei den Six Days auf dem Programm. Der Titel in der Tasche war somit die perfekte Lösung für den Termin- Konflikt.

Wenn der Regen zurückkommt

Nach den zunächst erstaunlich guten Bedingungen am Samstagmorgen änderte sich das Bild im Laufe des Tages. Ein heftiger Regenguss traf die Strecke und verwandelte die ohnehin schwierigen Passagen erneut in tiefe Schlammlöcher. Was am Anfang noch einigermaßen abgetrocknet war, wurde plötzlich wieder rutschig und schwer. Besonders für die Maschinen wurde der Renntag damit zur Belastungsprobe. Einer, den es besonders hart traf, war Pascal Sadecki. Der Junior war bis kurz vor dem Ziel auf dem Weg zu einem starken Ergebnis und hatte zuvor sogar mehrere Bestzeiten gesammelt. Doch dann blieb seine Maschine stehen. Aufgeben kam für das Team trotzdem nicht infrage. Mit vereinten Kräften wurde Pascal schließlich per Gurt ins Ziel geschleppt. Das Problem: Durch die unfreiwillige Bergungsaktion kam er zu spät an der Zeitkontrolle an. Die Folge war der Wertungsausschluss.
Davon profitierte Leon Koch. Der Junior durfte sich nicht nur über seinen ersten Tagessieg freuen, sondern übernahm gleichzeitig die Führung in der Junioren-Meisterschaft. Ein perfektes Beispiel dafür, wie schnell sich im Enduro die Situation verändern kann.

Max Stradtner liebt den Schlamm

Während andere Fahrer mit den Bedingungen kämpften, schien Max Stradtner den tiefen Untergrund geradezu zu genießen. Auf seiner 125er zeigte der Nachwuchsfahrer in der J2-Klasse eine beeindruckende Vorstellung.

Mit viel Selbstvertrauen und einer konstant starken Leistung fuhr Stradtner den Sieg nach Hause und bewies, dass auch unter schwierigsten Bedingungen eine saubere und kontrollierte Fahrweise zum Erfolg führen kann.

Der Deutsche Enduro-Cup ist zurück

Nach der langen Sommerpause meldete sich in Rehna auch der Deutsche Enduro-Cup zurück. Und auch hier wurde schnell deutlich, dass die Pause dem sportlichen Niveau keinen Abbruch getan hatte.
Im B-Championat setzte sich Janik Koßack durch. Der Meisterschaftsführende zeigte eine starke Vorstellung und gewann gleichzeitig die Klasse E1B. Christopher Schmidt belegte Rang zwei, Jonathan Petter komplettierte das Podium.
Damit gelang Koßack ein perfekter Wiedereinstieg in die zweite Saisonhälfte und er konnte seine Position an der Spitze des DEC weiter festigen.
Auch in den weiteren Klassen gab es spannende Entscheidungen. Axel Hechelei setzte sich bei den Super Senioren durch und fuhr den Sieg mit einem starken Vorsprung nach Hause.
Bei den Damen ging der Sieg dagegen ganz in den hohen Norden – genauer gesagt nach Schweden. Lisa Nyqvist dominierte ihre Klasse und setzte sich mit deutlichem Vorsprung gegen ihre Konkurrentinnen durch.

Rehna zeigt, was Enduro ausmacht

Am Ende bleibt von diesem Wochenende vor allem eines: eine Veranstaltung, die gezeigt hat, wie vielfältig und unberechenbar Enduro sein kann.
Der Freitag brachte Regen ohne Ende, die Strecke verwandelte sich in eine Schlammlandschaft, und zeitweise musste sogar um die Durchführbarkeit der Veranstaltung gebangt werden. Am Samstag folgte dann ein Renntag mit zunächst überraschend guten Bedingungen, bevor ein erneuter Regenguss die Strecke noch einmal komplett auf den Kopf stellte.

Und genau das ist Enduro!

Es sind nicht nur die schnellsten Sonderprüfungszeiten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Es geht darum, über viele Kilometer konzentriert zu bleiben, die richtige Linie zu finden, die Maschine zu schonen und auch dann weiterzumachen, wenn die Bedingungen längst nicht mehr dem entsprechen, was man sich am Morgen vorgestellt hat.
Für den MC Rehna war die Rückkehr der Deutschen Enduro Meisterschaft nach zwei Jahren Pause damit ein Wochenende, das sicher lange in Erinnerung bleiben wird. Zum 60-jährigen Vereinsjubiläum wurde der Endurosport mitten in die Stadt geholt. Start und Parc Fermé im historischen Umfeld sorgten für eine besondere Atmosphäre und machten die Veranstaltung auch für Zuschauer zu einem besonderen Erlebnis.

Sportlich sind nach Rehna zwei weitere Titel vergeben. Jeremy Sydow verteidigt seine E1-Krone, Matyas Chlum ist neuer Deutscher Meister in der E2. In der E3 und im Championat bleibt dagegen noch alles offen. Die Entscheidung fällt am 18. Oktober beim Finale in Streitberg. Dort werden die letzten Punkte vergeben – und damit auch die letzten offenen Fragen der DEM-Saison 2026 beantwortet.

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