Mit dem dritten Lauf der Deutschen Enduro Meisterschaft ist am ersten Augustwochenende im
thüringischen Großlöbichau die zweite Saisonhälfte offiziell eröffnet worden. Der MSTC Gembdental
präsentierte sich dabei als hervorragender Gastgeber und bewies eindrucksvoll, warum sich die
Veranstaltung innerhalb kürzester Zeit zu einem festen Bestandteil des DEM-Kalenders entwickelt
hat. Anspruchsvolle Sonderprüfungen, wechselnde Wetterbedingungen und ein Championat voller
spannender Geschichten sorgten für einen ersten Fahrtag, der kaum abwechslungsreicher hätte
verlaufen können.
Bereits am Vormittag gehörte die Bühne den Nachwuchstalenten der Mini-Enduro-
Europameisterschaft. Am Nachmittag übernahmen schließlich die Fahrerinnen und Fahrer der
Deutschen Enduro Meisterschaft sowie die nationale Jugendklasse bis 23 Jahre ohne
Hubraumbeschränkung das Geschehen. Rund 18 Kilometer Streckenlänge und insgesamt fünf
Runden bedeuteten für das A-Championat 15 Sonderprüfungen, die den Teilnehmern körperlich und
fahrerisch alles abverlangten.
Drei völlig unterschiedliche Wertungsprüfungen sorgten dabei für reichlich Abwechslung. Der schnelle
Crosstest mit seinen weit gezogenen Kurven und langen Geraden verlangte Mut und Präzision,
während der flüssig gesteckte Enduro-Test mit zahlreichen Hangpassagen und tückischen
Wiesenkurven vor allem saubere Linienwahl und viel Gefühl am Gasgriff erforderte. Für das größte
Grinsen unter den Fahrern sorgte jedoch der Extreme-Test. Kurz, steil und technisch anspruchsvoll
entwickelte sich dieser Abschnitt schnell zum Publikumsliebling und zeigte eindrucksvoll, dass ein
echter Extreme-Test hervorragend zur Deutschen Enduro Meisterschaft passt.
Auch das Wetter schrieb seine eigene Geschichte. Pünktlich zum Start setzte Regen ein und
verwandelte die ohnehin anspruchsvollen Sonderprüfungen in rutschige Herausforderungen. Erst im
Laufe des Nachmittags kämpfte sich die Sonne durch die Wolken und sorgte dafür, dass die
Bedingungen Runde für Runde schneller wurden. Wer sich am besten auf diese ständig wechselnden
Verhältnisse einstellen konnte, verschaffte sich entscheidende Vorteile.
Jeremy Sydow setzt das Maß aller Dinge
Mit viel Rückenwind aus der Enduro-Weltmeisterschaft reiste Jeremy Sydow nach Thüringen. Der
Triumph-Pilot hatte in den vergangenen Wochen mehrfach auf internationalem Parkett überzeugt und
knüpfte nahtlos an diese Leistungen an.
Vom ersten Test an bestimmte Sydow das Tempo und ließ keinen Zweifel daran, wer an diesem
Samstag den Ton angeben würde. Trotz der schwierigen Bedingungen fand der Chemnitzer sofort
seinen Rhythmus und überzeugte über den gesamten Renntag mit beeindruckender Konstanz. Selbst
kleine Veränderungen der Streckenbedingungen brachten ihn nicht aus dem Konzept.
Ein kleiner Sturz im letzten Enduro-Test blieb letztlich die einzige kleine Unachtsamkeit eines
ansonsten nahezu perfekten Auftritts. Ohne größere Folgen sicherte sich Jeremy Sydow souverän
den Sieg in der Klasse E1 und gewann mit mehr als zwei Minuten Vorsprung auch die
Gesamtwertung des Championats. Eine Leistung, die einmal mehr unterstreicht, dass sich der
Deutsche derzeit in der Form seines Lebens befindet.
Luca Fischeder holt das Maximum heraus
Ganz andere Voraussetzungen brachte Luca Fischeder mit nach Großlöbichau. Der amtierende
Deutsche Meister kämpfte bereits seit mehreren Tagen mit einer hartnäckigen Erkältung und wusste
schon vor dem Start, dass der Kampf gegen Jeremy Sydow unter diesen Umständen schwierig
werden würde.
Trotzdem stellte sich der Sherco-Pilot der Herausforderung und bewies einmal mehr, warum er seit
Jahren zu den konstantesten Fahrern der Deutschen Enduro Meisterschaft gehört. Während die
Kräfte im Laufe des Tages sichtbar nachließen, setzte Fischeder auf Erfahrung, Übersicht und kluges
Rennmanagement. Anstatt unnötige Risiken einzugehen, konzentrierte er sich darauf, das Maximum
aus seiner Situation herauszuholen.
Diese Strategie zahlte sich aus. Mit einer starken Leistung gewann er die Klasse E3 und sicherte sich
gleichzeitig Rang zwei im Championat. Es sind genau solche Renntage, die am Ende einer Saison oft
über Titel entscheiden.
Matyas Chlum bleibt eine feste Größe
Seit vielen Jahren gehört Matyas Chlum zu den bekanntesten Gesichtern im Fahrerlager der
Deutschen Enduro Meisterschaft. Der sympathische Tscheche reist regelmäßig zu den deutschen
Meisterschaftsläufen und zählt seit Jahren zu den konstantesten Fahrern im Feld.
Auch in Großlöbichau stellte Chlum seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis. Mit dem Sieg in der
Klasse E2 und Rang vier im Championat sammelte er wichtige Meisterschaftspunkte und bestätigte
einmal mehr seine Rolle als einer der zuverlässigsten Spitzenfahrer der Serie.
Henry Strauss schreibt die Geschichte des Tages
Die größte Überraschung des ersten Fahrtages trug allerdings den Namen Henry Strauss.
Der gerade einmal 17-jährige Husqvarna-Pilot wollte das Wochenende ursprünglich lediglich nutzen,
um erstmals mit einem großen Motorrad im klassischen Enduro an den Start zu gehen. Ein
spannender Test sollte es werden – doch am Ende wurde daraus eine echte Sensation.
Bereits im ersten Extreme-Test setzte Strauss die absolute Bestzeit gegen die komplette Konkurrenz
und machte damit früh deutlich, dass mit ihm zu rechnen ist. Besonders in den technischen
Prüfungen spielte der Hard-Enduro-Spezialist seine außergewöhnlichen Fähigkeiten aus und sorgte
Runde für Runde für staunende Blicke entlang der Strecke.
Mit dem Sieg in der Klasse J1 setzte der Nachwuchsfahrer ein erstes Ausrufezeichen. Noch
beeindruckender war allerdings sein dritter Platz im Championat, mit dem er zahlreiche etablierte
Spitzenfahrer hinter sich ließ.
Fast noch sympathischer als seine Fahrleistung war seine Reaktion im Ziel. Mit einem breiten Grinsen
erklärte Strauss, dass er eigentlich gedacht habe, noch näher an Jeremy Sydow und Luca Fischeder
dran zu sein. Lediglich im Crosstest habe er gemerkt, dass die beiden an diesem Tag noch einmal ein
anderes Tempo anschlagen konnten.
Eine Aussage, die zeigt, wie unbekümmert der junge Husqvarna-Pilot an seine erste DEM
herangegangen ist – und vielleicht genau deshalb für die größte Überraschung des Tages sorgen
konnte.
Andreas Beier beweist, dass Erfahrung unbezahlbar ist
Für eine weitere positive Überraschung sorgte Andreas Beier. Während vielerorts über die nächste
Generation gesprochen wird, zeigte der erfahrene E2-Pilot eindrucksvoll, dass Routine im Enduro-
Sport noch immer Gold wert ist.
Auf den drei völlig unterschiedlichen Sonderprüfungen fand Beier vom ersten Meter an einen
hervorragenden Rhythmus. Besonders unter den wechselhaften Bedingungen spielte er seine ganze
Erfahrung aus, vermied größere Fehler und arbeitete sich mit konstant starken Fahrzeiten immer
weiter nach vorne.
Am Ende wurde sein Einsatz mit einem starken fünften Platz im Championat sowie einer
überzeugenden Leistung in der Klasse E2 belohnt. Ein Ergebnis, das einmal mehr unterstreicht: Die
jungen Wilden sorgen zwar für frischen Wind, doch die Routiniers sind noch lange nicht bereit, die
Bühne kampflos zu verlassen.
Nach einem ereignisreichen Auftakt richtet sich der Blick nun bereits auf den zweiten Fahrtag. Ab
08:00 Uhr eröffnet erneut die Mini-Enduro-Europameisterschaft das Renngeschehen, bevor ab 13:00
Uhr die Fahrerinnen und Fahrer der Deutschen Enduro Meisterschaft erneut auf die Strecke gehen
und die nächsten wichtigen Meisterschaftspunkte vergeben werden.
Alle ausführlichen Ergebnisse sind unter www.enduro-dm.de zu finden.






