Die sächsische Kleinstadt Dahlen ist seit Jahrzehnten fest mit dem Endurosport verwurzelt. Veranstaltungen auf höchstem Niveau, darunter auch Weltmeisterschaftsläufe, haben hier bereits stattgefunden. Entsprechend groß ist die Bedeutung dieses Stopps im Kalender der Deutschen Enduro Meisterschaft und des Deutschen Enduro Cups. Für viele Fahrer gilt Dahlen nicht nur als Pflichttermin, sondern auch als erster echter Gradmesser der Saison.
2026 kam ein besonderer Anlass hinzu: Mit der 30. Auflage feierte die traditionsreiche Veranstaltung ein rundes Jubiläum. Der MSC Dahlen e.V. unterstrich einmal mehr seine Erfahrung und Leidenschaft im Endurosport und stellte ein Event auf die Beine, das sowohl sportlich als auch organisatorisch Maßstäbe setzte.
Vorfreude, Vorbereitung und erste Eindrücke
Die Winterpause hatte im Vorfeld für zahlreiche Veränderungen gesorgt. Fahrer wechselten Teams und Motorräder, neue Konstellationen entstanden und viele Piloten wagten den Schritt in höhere Klassen oder ins A-Championat. Entsprechend groß waren die Fragezeichen vor dem ersten Rennen: Wer hat sich optimal vorbereitet? Wer findet sich am schnellsten auf dem neuen Material zurecht? Und wer kann direkt zum Saisonstart ein Ausrufezeichen setzen?
Der Samstag stand ganz im Zeichen der Vorbereitung. Rund 300 Fahrer nutzten die Möglichkeit, die beiden Sonderprüfungen intensiv zu besichtigen. Trotz kühler Temperaturen, dichtem Nebel und eisigem Wind wurde jeder Meter analysiert. Linien wurden gesucht, Bremspunkte festgelegt und Schlüsselstellen mehrfach begutachtet.
Gleichzeitig bot das Fahrerlager einen ersten Blick auf die Saison 2026: neue Bikes im frischen Design, neue Teamstrukturen und jede Menge Gesprächsstoff. Am Nachmittag füllte sich das Parc Fermé auf dem Marktplatz von Dahlen zusehends – ein beeindruckendes Bild und der endgültige Startschuss für die neue Saison.
Sonnenschein und perfekte Bedingungen am Renntag
Am Sonntagmorgen zeigte sich das Wetter zunächst noch frostig, doch pünktlich zum Start um 8:00 Uhr setzte sich die Sonne durch. Strahlend blauer Himmel und schnell steigende Temperaturen sorgten für nahezu perfekte Bedingungen. Auch die Zuschauer ließen sich nicht lange bitten und säumten zahlreich die Strecke – ein Faktor, der die besondere Atmosphäre dieses Saisonauftakts zusätzlich unterstrich.
Die sportliche Aufgabe hatte es dabei in sich: Eine rund 80 Kilometer lange Runde musste in den Topklassen dreimal absolviert werden. Herzstück waren zwei charakterstarke Sonderprüfungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und den Fahrern alles abverlangten.
Der Crosstest in Burgberg, längst ein Klassiker im Kalender, präsentierte sich schnell, flüssig und dennoch technisch anspruchsvoll. Mit seinem spektakulären Layout und der hervorragenden Übersicht vom Plateau zog er besonders viele Zuschauer an. Hier wurde Vollgas gefahren – doch kleinste Fehler konnten sofort Zeit kosten.
Ganz anders der Endurotest in Meltewitz: Eine anspruchsvolle, technisch geprägte Prüfung, die sich im Verlauf immer weiter zuspitzt. Schnelle Passagen wechseln sich mit engen, verwinkelten Abschnitten ab. Steine, Wellen und dicht stehende Bäume lassen kaum Raum für Fehler. Hier sind Präzision, Kondition und mentale Stärke gefragt – ein echter Schlüsseltest für das Gesamtergebnis.
Titelverteidiger Fischeder mit starkem Start – Sydow eiskalt zur Stelle
Im Mittelpunkt des Interesses stand Titelverteidiger Luca Fischeder. Der Lokalmatador, zurück auf einer Sherco, wollte vor heimischem Publikum direkt ein Zeichen setzen – und genau das gelang ihm eindrucksvoll. Bereits im ersten Durchgang des Crosstests in Burgberg zündete Fischeder ein wahres Feuerwerk und sicherte sich die Bestzeit. Mit aggressivem, aber kontrolliertem Fahrstil unterstrich er früh seine Ambitionen, den Titel erfolgreich zu verteidigen. Auch in der ersten Runde präsentierte er sich nahezu fehlerfrei und übernahm die Führung im Championat.
Doch Enduro ist ein Sport, in dem kleinste Unsauberkeiten große Auswirkungen haben können. In der zweiten Runde unterlief Fischeder im Crosstest ein kleiner Fehler, der in einem Sturz endete. Die Folge: Zeitverlust und ein Bruch im Rhythmus. In Kombination mit weiteren kleinen Ungenauigkeiten verlor er zunehmend Boden auf seinen größten Konkurrenten.
Der Sieg in der Klasse E3 geriet zu keinem Zeitpunkt in Gefahr, doch im Kampf um den Gesamtsieg musste sich der Titelverteidiger am Ende geschlagen geben. Dennoch zeigte insbesondere seine erste Runde eindrucksvoll, welches Potenzial in ihm steckt – und dass mit ihm im Titelkampf weiterhin fest zu rechnen ist.
Jeremy Sydow hingegen nutzte die Situation konsequent aus. Nach seinem Wechsel zu Triumph und dem Umstieg auf einen Viertakter stand auch bei ihm die Frage im Raum, wie schnell er sich auf das neue Paket einstellen kann. Die Antwort lieferte er auf der Strecke. Nach einem kleinen Fehler zu Beginn – seine Maschine ging in einer Prüfung kurz aus – fand Sydow schnell in seinen Rhythmus. Besonders im technisch anspruchsvollen Endurotest in Meltewitz spielte er seine Stärken aus und setzte mit konstant schnellen Zeiten die entscheidenden Akzente.
Mit vier Bestzeiten aus sechs Prüfungen sicherte er sich am Ende den Gesamtsieg im Championat mit einem Vorsprung von 13 Sekunden. Gleichzeitig gewann er die Klasse E1 und setzte damit direkt ein klares Zeichen im Titelkampf.
Chlum erneut konstant – Podium wie im Vorjahr
Hinter den beiden Topfahrern komplettierte Matyas Chlum das Podium. Der Tscheche, der seit Jahren zu den festen Größen der Serie zählt, zeigte einmal mehr seine Konstanz. Trotz anfänglicher Probleme mit Armpump kämpfte er sich im Verlauf des Rennens zurück und überzeugte insbesondere im Endurotest mit sauberen und kontrollierten Läufen. Mit dem Sieg in der Klasse E2 und Platz drei im Championat wiederholte er exakt sein Ergebnis aus dem Vorjahr.
Damit ergab sich auch 2026 das identische Championatspodium wie bereits im Jahr zuvor – ein klares Zeichen für die hohe Leistungsdichte an der Spitze.
Nachwuchs, Cup und packende Entscheidungen bis zum Schluss
Auch in den weiteren Klassen wurde hochklassiger Endurosport geboten. Bei den Junioren entwickelte sich ein packender Kampf um die vorderen Plätze. Luca Reinhold, der neu im A-Championat an den Start ging, zeigte gleich in der ersten Runde, dass er ein ernsthafter Anwärter auf den Meistertitel ist. Doch im technisch anspruchsvollen Steinfeld unterlief ihm ein harter Sturz, der sein Rennen frühzeitig beendete. Die Chance nutzte Pascal Sadecki konsequent: Der FanUc-Pilot meisterte sowohl den Crosstest in Burgberg als auch den verwinkelten Endurotest in Meltewitz mit einer bemerkenswerten Konstanz. Mit klugen Linien, sauberer Technik und beeindruckender Kondition sicherte er sich nicht nur den Sieg in der Klasse J1, sondern fuhr zudem einen starken achten Platz im Gesamtchampionat ein – ein hervorragender Einstand in die Saison und ein deutliches Ausrufezeichen für seine jungen Karriereambitionen.
Im Deutschen Enduro Cup feierte Janik Koßack einen gelungenen Saisonstart. Er dominierte von Anfang an sowohl den Crosstest als auch die Enduroprüfung, fuhr mit beeindruckender Präzision und Tempo durch beide Sonderprüfungen und sicherte sich so den Gesamtsieg sowie Platz eins in der Klasse E1B. Nur wenige Sekunden dahinter landeten Jonathan Peter und Luis Winkler auf den Plätzen zwei und drei, die ebenfalls konstant schnelle Rundenzeiten ablieferten und ihre Fähigkeiten auf dem anspruchsvollen Kurs eindrucksvoll unter Beweis stellten. Besonders auffällig war das junge Starterfeld, das einmal mehr zeigte, dass der Deutsche Enduro Cup ein perfektes Sprungbrett für aufstrebende Talente und zukünftige Meisterschaftsanwärter ist.
Für Nervenkitzel bis zur letzten Sekunde sorgte die Seniorenklasse. Sirko Bühnemann lag über weite Strecken souverän in Führung, doch in der letzten Prüfung unterlief ihm ein kleiner Fehler, der fast das gesamte Ergebnis gefährdete. Mit maximaler Konzentration brachte er sein Bike dennoch ins Ziel und rettete sich hauchdünn mit einem Vorsprung von lediglich 0,79 Sekunden vor Mirko Gans – ein echtes Herzschlagfinale, das den Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Bei den Super Senioren setzte der Schwede Jonas Blom erneut ein beeindruckendes Ausrufezeichen. Mit seinem flüssigen, präzisen Fahrstil meisterte er die anspruchsvollen Prüfungen, zeigte keine Ermüdungserscheinungen und bewies einmal mehr, dass Endurosport keine Frage des Alters ist.
Im Damen-Pokal sorgte Carmen Allinger für eine Überraschung. Die Heilbronnerin, die zuvor vor allem im Motocross aktiv war und erst zweimal in den Endurosport hineingeschnuppert hatte, meisterte die Prüfungen mit beeindruckender Geschwindigkeit und Souveränität. Mit klarer Linienwahl, starken Nerven und einem durchdachten Renntaktik-Ansatz sicherte sie sich den ersten Sieg der Saison und setzte damit ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Auch in der Damenwertung werden 2026 spannende Positionskämpfe erwartet.
Ein Auftakt, der Lust auf mehr macht
Am Ende bleibt eine Veranstaltung, die kaum Wünsche offenließ. Perfekte Organisation, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Prüfungen, spannende Rennen und zahlreiche Zuschauer machten die 30. Geländefahrt „Rund um Dahlen“ zu einem würdigen Saisonauftakt.
Veranstaltungsleiter Lars Scholz zog entsprechend ein durchweg positives Fazit und betonte die starke Resonanz aus allen Bereichen. Die Veranstaltung habe eindrucksvoll gezeigt, wie der Endurosport in der Region verankert ist.
Mit diesem Auftakt ist die Grundlage für eine spannende Saison 2026 gelegt – und eines ist bereits jetzt sicher: Die Deutsche Enduro Meisterschaft hat ihr erstes großes Ausrufezeichen gesetzt. Bereits Anfang Mai kehrt die Deutsche Enduro Meisterschaft in die Region zurück, wenn der zweite Lauf in Form eines Sprint-Enduros in Meltewitz ausgetragen wird – die Spannung für die Saison 2026 bleibt damit hoch.










