Grünheide 2021

DEM Grünheide 2021 – Favoriten setzen sich im Titelkampf durch!

Der 43. Novemberpokal wurde in diesem Jahr in Grünheide gestartet, als Gedenken an den damals vor 50 Jahren ausgetragenen „Deutschen Meisterschaftslauf der DDR“. Über eine Zubringer-Etappe ging es dann von dort aus in das altbekannte Gelände um Woltersdorf, Rüdersdorf und Herzfelde. Pro Runde galt es, drei verschiedene Sonderprüfungen zu absolvieren. Der erste Test, der mehrere hundert Meter schnurstracks geradeaus durch den Wald führte, war nicht jedermannsSache. Viel Zuspruch erhielten hingegen diePrüfungen am Kesselsee und im Museumspark, die sich durch zahlreiche technische Passagen auszeichneten.

Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft (Championat)
Nur ein Ausfall hätte Top-Favorit Hamish Macdonald von der erfolgreichen Titelverteidigung abhalten können. Doch wer dachte, der Neuseeländer würde einen Gang zurückschalten, der sah sich schwer getäuscht. Von Beginn an jagte er seine Sherco erbarmungslos durch die Tests, so dass er am Ende mit neun von neun möglichen Bestzeiten überlegen die Tageswertung und folglich auch den Titel des Internationalen Deutschen Enduro Meisters gewann. Entsprechend feuchtfröhlich fiel der Empfang durch sein Team bei der Zielankunft aus. Doch die Sektdusche galt nicht nur dem alten und neuen Champion, sondern auch seinem Teamkollegen Luca Fischeder. Korken knallten, Sekt spritzte und ein Feuerwerk mit mächtig „Rums“ wurde zu Ehren der Sieger gezündet, während diese einen ordentlichen Burnout hinlegten!

„Das war ein riesiger Empfang! Ich freue mich, dass ich den Titel geholt habe. Für mich natürlich, aber ganz klar auch für mein Team, das mich immer super unterstützt hat. Es war ein großartiges Jahr“, jubelte Hamish Macdonald, der von einem erstklassigen Tag sprach. „Ich habe mich auf dem Motorrad sehr wohl gefühlt und auch die äußeren Bedingungen waren optimal. Es hat alles einfach nur super gepasst!“

Auch Luca Fischeder war sichtlich aufgewühlt nach seiner erneut bravourösen Leistung, die mit Tagesrang zwei, dem Vizetitel in der Int. Deutschen Enduro Meisterschaft und nicht zuletzt mit dem Deutschen Meister in der E3 belohnt wurde. „Endlich, mein erster großer Titel. Ich bin unendlich glücklich, einfach nur mega, mega, mega“, sprudelte es aus dem frischgebackenen Meister heraus. Schlecht geschlafen hätte er, so aufgeregt war er. Und unheimlich nervös sei er vor dem Start gewesen, wovon in den Tests aber dann nicht viel zu spüren war. So gut war er unterwegs. „Ich habe einfach nur versucht, einen guten Fluss zu finden und nichts zu riskieren. Ich brauchte ja nur noch einen Punkt, von daher galt für mich nur, ja nicht ausfallen.“

Hinter dem Sherco-Duo landete Chris Gundermann auf Tagesrang drei. Diesmal ließ der KTM-Fahrer seinen großen Viertakter zu Hause und war stattdessen mit einer 300ccm-Zweitakt-Maschine am Start. „Nach dem Ausfall in Burg hatte ich eh nichts mehr zu verlieren und da habe ich gedacht, ich probiere einmal etwas Neues. Dass es auf Anhieb gleich so gut geklappt hat, freut mich natürlich“, strahlt der 28-Jährige, der in seinem vierten „Enduro-Jahr“ einen riesigen Schritt nach vorn gemacht hat.

Edward Hübner wurde Tagesvierter womit er seinen dritten Gesamtrang absichern konnte. Vielmehr stand für den KTM-Fahrer aber das Erringen des E2-Titels im Fokus, was ihm schließlich auch souverän gelang. Fünfter wurde, der schon seit Burg feststehende E1-Champ, Yanik Spachmüller, Sechster Lokalmatador Robert Riedel, der sich nach dem Ausheilen seines Mittelfußbruches immer stärker präsentierte und so einen versöhnlichen Saisonabschluss hinlegte.

DEM - Klasse E1
Nachdem Yanik Spachmüller bereits den Titel in Burg eingetütet hatte, stand vor allem das Duell um den Vizetitel im Vordergrund. Hier lagen die beiden KTM-Teamkollegen Florian Görner und Kevin Nieschalk vor dem Finale nur einen Punkt auseinander. Den besseren Start erwischte zunächst Görner, der prompt die erste Prüfung gewann, während Nieschalk die Tests zwei und drei für sich entscheiden konnte und sogar die Führung übernahm. Doch dann passierte ihm in der dritten Sonderprüfung der zweiten Runde ein folgenschwerer Fehler. „An einer Steilauffahrt habe ich direkt in der Anfahrt beim Gasgeben einen Stein erwischt. Dabei hat es mir das Hinterrad verschlagen und ich stand hilflos am Berg. Anfahren ging nicht, also musste ich wieder bis ganz nach unten“, ärgerte sich der KTM-Fahrer, der dort etwa 15 Sekunden liegen ließ. So zog Görner wieder an ihm vorbei. „Ich habe schon vorher gesagt, wer die wenigsten Fehler macht ist vorn. Also bin ich mehr mit Bedacht gefahren, als komplett ans Limit zu gehen“, erklärte dieser, der dennoch bis zur letzten Kurve zittern musste. Denn sein Rivale ließ sich nicht abschütteln:„Ich habe noch einmal alles rausgeholt was nur geht. Von daher bin ich fahrerisch schon zufrieden, wenngleich der Ausgang ein bisschen zum Kotzen ist!“ Verständlich, denn auf seinen Teamkollegen fehlten am Ende nur winzige 0,55 Sekunden, was letztlich nicht nur den einen Platz, sondern eben auch den Vizetitel kostete, der damit an Florian Görner ging.

Die beiden Konkurrenten belegten in der Tageswertung die Ränge drei und vier, während der Sieg dann doch wieder an Yanik Spachmüller ging. „Ich bin ehrlicherweise nur sehr schwer in den Tag gekommen. Vielleicht hat einfach nur der nötige Druck gefehlt“, mutmaßteder GasGas-Fahrer, der dann aber immer besser in Schwung kam. „Dass ich es am Ende doch wieder bis ganz nach vorn geschafft habe, freut mich natürlich sehr. So konnte ich mich doch noch würdig aus der Saison verabschieden“,lachte der glückliche E1-Meister.

Ein deutliches Lebenszeichen sendete Robert Riedel, der immer besser in Fahrt kam. Rang zwei beim Heimspiel ließ ihn über das ganze Gesicht strahlen: „Ein wirklich guter Saisonabschluss, mit dem ich sehr zufrieden sein kann, auch wenn ich in manchen Punkten immer noch zu verhalten agiert habe.“

DEM - Klasse E2
Ganz oben stand Hamish Macdonald, die volle Punktezahl ging jedoch auf das Konto von Edward Hübner, der damit seinen fünften DEM-Titel perfekt machen konnte. Allerdings war er mit seinem Einstieg in den Tag nicht ganz so zufrieden, mit dem Ausgang dann umso mehr. „Ich bin im ersten Test gleich als Erster reingefahren, das war im Nachhinein vielleicht nicht so klug. Im zweiten habe ich mir den Fußbremshebel weggerissen, was auch wieder Zeit gekostet hat. Erst danach kam ich gut in Schwung und konnte mich weiter nach vorn arbeiten“, resümierteEddi, der sich über den E2-Titel nach einer Saison, die für ihn nicht immer nur Höhen bereit hielt, mächtig freute. „Ja, jetzt wieder Meister zu sein, fühlt sich richtig gut an!“

Benjamin Meusel lag zunächst vor Hübner, musste ihn aber letztlich ziehen lassen und fuhr als Tagesdritter sicher seinen Vize-Titel nach Hause. Trotz seines bis dato größten Erfolges war der GasGas-Fahrer nicht restlos zufrieden und meinte mit einem Augenzwinkern: „Vizemeister ist eben kein Meister!“

Dritter in der Meisterschaft wurde Nick Emmrich, der dank seiner Konstanz und „mit Glück“, wie er selbst betonte, einige namhafte Konkurrenten hinter sich ließ. „Das war das Maximum. Ich bin happy, weiß es aber auch für mich einzuordnen“, so der KTM-Fahrer, der beim DEM-Finale nur noch durchrollte und als Fünfter, hinter seinem direkten Konkurrenten um den Bronzerang Paul Roßbach, die nötigen Punkte entspannt einfahren konnte.

DEM - Klasse E3
Wie eingangs bereits erwähnt, holte Luca Fischeder seine „erste große Meisterschaft“, nachdem er 2019 bereits den Junioren-Titel gewann. Als einziger in diesem Jahr blieb er in seiner Klasse ungeschlagen. Das ist sonst keinem anderen Fahrer, weder in der DEM noch im DEC gelungen!

Vizemeister wurde Andreas Beier, der an diesem Tag allerdings verhältnismäßig blass blieb, zwar Dritter in der E3 wurde, aber einen Platz unter den Top 10 im Championat verpasste. „Es war heute ein Komplett-Ausfall. Es lief gar nichts zusammen, was sehr enttäuschend war“, zeigtesich der KTM-Fahrer sehr selbstkritisch.

Tageszweiter wurde Chris Gundermann, der daraus bereits Motivation für die kommende Saison schöpft. „Ich habe mich in diesem Jahr mit dem großen Viertakter manchmal schwerer getan, als erwartet. Jetzt, mit dem anderen Motorrad habe ich gesehen, was möglich ist. Von daher kann die nächste Saison kommen“, lachteder KTM-Fahrer, der offen sagt, „mein langfristiges Ziel ist es, einmal Meister zu werden.“ Und dass er das Potenzial dazu hat, bewies er in diesem Jahr des Öfteren!

DEM – Junioren
Maximilian Wills agierte beim Finale ungewohnt nervös. „Ich war schon sehr aufgeregt, habe in der Nacht zuvor kaum geschlafen“, gestand er angesichts der Tatsache, dass er „nur“ durchfahren musste, um den Titel sicher nach Hause zu bringen. Über den Tag lieferte er sich dann noch einen engen Kampf mit seinem Team-Kollegen Oskar Wolff um den Tagessieg, den er letztlich auch noch gewinnen konnte. „Das ist natürlich das Sahnehäubchen“, lachte der frischgebackene Junioren-Champion, der sich einfach nur überglücklich zeigte.

Oskar Wolff hätte das Finale nur zu gern gewonnen, lag zwischenzeitlich sogar in Front. „Doch dann hat es mich in der ersten Sonderprüfung gleich zweimal kurz hintereinander so richtig hingelegt. Danach waren die Konzentration und der Rhythmus einfach weg“, bedauerte der Husqvarna-Fahrer, der dennoch Tageszweiter und Vize-Meister wurde.

Mit Rang drei gelang Hannes Lehmann eine kleine Sensation, dessen sportliche Ambitionen eigentlich gar nicht im Endurosport, sondern vielmehr im Mountainbike-Downhill-Weltcup liegen. Umso bemerkenswerter ist das Resultat des „Gelegenheits-Enduristen“, wenngleich er auf die Erfahrung eines echten Könners in seiner Familie bauen kann – auf die seines Cousins und nun fünffachen Deutschen Enduro Meisters Edward Hübner!

Mit Platz vier in der Tageswertung gelang es Karl Weigelt seinen Teamkollegen Bastian Streit, der Fünfter wurde, erneut auf Distanz zu halten. Damit war der dritte Rang in der Meisterschaft für den Sherco-Fahrer perfekt, sein bis dato größter Erfolg in der Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft.