Burg 2021

DEM Burg 2021 – „Hamish-Macdonald-Gala“ findet Fortsetzung, erste Meistertitel bereits vergeben

In diesem Jahr wurde bei der 26. ADAC-Geländefahrt in Burg, die in Kooperation zwischen den Motorsportclubs aus Munster und Burg ausgerichtet wird, die Runde in entgegengesetzter Richtung gefahren. So waren die Aktiven zunächst an der Sonderprüfung bei Madel, direkt bei der Autobahnabfahrt Burg Ost gefordert. Dieser Test fiel in diesem Jahr etwas kürzer aus, da dem Veranstalter nicht alle angrenzenden Felder zur Verfügung standen. Dafür boten der Enduro-Test bei Körbelitz in einem großen Waldstück mit einem neuen, sehr urigen Abschnitt und die obligatorische Sonderprüfung „Krähenberge“ mehr als genügend Streckenlänge. Insgesamt zehn Prüfungen am Samstag und noch einmal neun am Sonntag ließen nicht nur die Sandwellen tiefer, sondern auch die Arme deutlich länger werden.

Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft (Championat)
Unterm Strich standen am Ende des Wochenendes wieder zwei überlegene Tagessiege für Hamish Macdonald zu Buche. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn der Neuseeländer tat sich nach eigenem Bekunden ungewohnt schwer. „Es war nicht immer leicht, die richtigen Linien zu finden. Vor allem der lange Enduro-Test im Wald war schon von einer ganz speziellen Art. Ich fand es ziemlich schwer, dort richtig zu pushen“, so seine Aussage nach dem ersten Fahrtag. Und auch der Sonntag begann nicht ganz nach Plan, denn da hatte, wenn auch nur einen Bruchteil einer Sekunde, zunächst Luca Fischeder die Nase vorn. „Ich bin nur schwer in den Tag gekommen. Mir hat einfach das nötige Gefühl gefehlt, um ordentlich Feuer geben zu können. Später wurde es dann zum Glück besser“, zeigt sich der Championatssieger beider Tage dann doch versöhnlich!

Zweimal auf Rang zwei schaffte es dessen Sherco-Teamkollege Luca Fischeder. Der wiederum erwischte aus seiner Sicht ein großartiges Wochenende. „So nah wie diesmal war ich bisher noch nie an Hamish dran gewesen. Das ist schon toll“, freut sich der Sachse, der über das gesamte Wochenende sogar drei Sonderprüfungsbestzeiten erzielen konnte.

Hinter den beiden Überfliegern auf ihren blauen Motorrädern erlebte ein „Oranger“ quasi eine Wiederauferstehung. KTM-Fahrer Edward Hübner wirkte im Gegensatz zum Lauf in Rehna wie ausgewechselt und war an diesem Wochenende klar die dritte Kraft.  „Ich bin sehr zufrieden mit diesem Wochenende, es lief durchweg richtig gut. Ich habe mich gut und locker gefühlt. Zweimal Platz drei im Championat ist für mich aktuell das Optimum. Die zwei da vorn sind schon stark. Aber auch zehn Jahre jünger“, so Eddi mit einem Augenzwinkern.

Hinter diesem Trio belegte Yanik Spachmüller an beiden Tagen Rang vier, was gleichzeitig seine beste Championatsplatzierung überhaupt bedeutete. Doch das geriet für ihn eigentlich zur Nebensache, denn der GasGas-Fahrer gewann vorzeitig den E1-Titel.

DEM - Klasse E1
Souveräner geht es nicht: Yanik Spachmüller gewann an beiden Tagen und ist nun Deutscher Enduro Meister in der E1! „Einfach nur richtig gut“, freut sich Yanik in seiner gewohnt zurückhaltenden Art und breitem Grinsen über das ganze Gesicht. „Ich war einfach nur froh, als ich im letzten Test durch das Ziel fuhr und alles gut gegangen ist. Zumal Mitte des zweiten Fahrtages die Kraft dann doch langsam etwas nachließ. Dennoch, das ganze Wochenende lief viel besser, als ich es erwartet habe. Ich bin einfach nur happy!“ Zudem beschert er damit der Marke GasGas den ersten DEM-Titel seit genau 20 Jahren. Damals siegte ein gewisser Jani Laaksonen aus Finnland in der damaligen Zweitakt-Klasse über 175 ccm.

Der noch als amtierender E1-Meister nach Burg angereiste Robert Riedel zeigte, dass er trotz seiner immer noch ausheilenden Fuß-Verletzung schon wieder gut mithalten kann. „Ja in der Tat. Gehen geht noch nicht wieder so richtig, Motorradfahrern hingegen schon“, lacht der KTM-Fahrer, der am ersten Tag einen Speichenverlust zu beklagen hatte. „In Runde eins und zwei habe ich jeweils eine verloren“, so Robert, der den Schaden jedoch beim abschließenden Service beheben konnte. Somit konnte er auch am Sonntag wieder ordentlich Gas geben und wie schon am Vortag den zweiten Rang einfahren.

„Doppel-Dritter“ wurde Florian Görner, der mit seiner Leistung im Großen und Ganzen recht zufrieden war. „Am ersten Fahrtag lag ich sogar kurzeitig knapp vorn. Aber das hielt nicht lang an. Die zweite Runde habe ich irgendwie ein wenig verschlafen. Am Ende ging es dann wieder“, so der KTM-Fahrer, der am zweiten Tag noch konzentrierter fuhr, sich keine „Durchhänger“ erlaubte und zudem mit Rang sieben in der Championatswertung belohnt wurde.

Kevin Nieschalk, der das Titelrennen hätte noch offenhalten können, wurde am ersten Tag hinter dem gut aufgelegten Nico Rambow nur Fünfter. Mit Rang vier am zweiten fiel er sogar um einen Punkt hinter seinen Teamkollegen Florian Görner in der Meisterschaft zurück. Das dürfte beim Finale noch ein packendes Duell um den Vizetitel werden!

DEM - Klasse E2
Überlegener Tagessieger wurde an beiden Tagen Hamish Macdonald. Da der Neuseeländer aber ohne deutsche Lizenz unterwegs ist, erhält er in dieser Wertung nicht nur keine Punkte, sondern spielt im Titelkampf folglich auch keine Rolle. Somit waren die Blicke auf ein Trio gerichtet, die vor der Doppel-Veranstaltung in Burg nur innerhalb von drei Zählern lagen. Vorn Edward Hübner, einen Punkt dahinter Tilman Krause und weitere zwei zurück Benjamin Meusel. Doch aus dem Dreikampf wurde ein Duell, da Tilman auf den Start verzichtet hat. Der Grund dafür ist ebenso so banal, wie hocherfreulich: Denn in den frühen Morgenstunden des Samstages ist er zum ersten Mal Vater eines kleines Sohnes geworden. „Sehr schade, dass die Termine so fallen. Aber die Familie geht definitiv vor“, ließ der KTM-Fahrer am Freitagabend am Telefon kurz verlauten. „Ganz ehrlich, das kann ich voll und ganz nachvollziehen. Zum ersten Mal Vater zu werden, das gibt es nur einmal im Leben. Motorradfahren kannst du hingegen immer“, pflichtet ihm Edward Hübner bei, der selbst erst im Sommer dieses einmalige Glück erleben durfte und hier in Burg zu alter Stärke auflief. Der KTM-Fahrer lag an beiden Tagen deutlich vor Benjamin Meusel und untermauerte mit der Maximalpunktzahl seine Ambitionen auf den E2-Titel.

Für Benjamin Meusel war es eher ein Wochenende zum Abhaken. Er mag das Terrain in Burg einfach nicht. Umso höher ist daher einzuschätzen, dass er beide Tage dennoch auf Rang drei beendete. „Ich bin einfach nur froh, wenn das Wochenende vorbei ist und ich im Auto auf dem Weg nach Hause sitze“, ließ er schon am Samstag bei der Zielankunft verlauten und ergänzt, „Vor allem der Enduro-Test im Wald bereitete mir viel Schwierigkeiten. Der war durch die Wellen, den Staub und die teilweise recht engen Passagen um die Bäume herum einfach unberechenbar. Das mag ich nicht, damit kann ich einfach nicht gut umgehen“, gibt der GasGas-Fahrer, der in der Meisterschaft nun neun Punkte zurückliegt offen zu.

Am Samstag belegte Paul Roßbach Rang vier, vor Nick Emmrich auf fünf. Tags darauf tauschten die beiden Kontrahenten dann die Plätze. Denn Unterschied machten dabei gerade einmal winzige 0,07 Sekunden. „Das ist einfach nur ärgerlich. Zumal ich in der allerletzten Kurve des ersten Tests einfach umgefallen bin. Das war einfach nur dumm! Da war ich mit dem Kopf schon hinter der Lichtschranke und solche Unachtsamkeit wird am Ende eben bestraft“, zeigt sich der Beta-Fahrer sehr selbstkritisch.

DEM - Klasse E3
Luca Fischeder behält seine weiße Weste, indem er in Burg die Saisonsiege fünf und sechs in überlegener Manier einstrich. Dennoch war er nicht ganz glücklich. „Das liegt nicht an den Ergebnissen, sondern dass mir immer noch ein einziger Punkt zum Titelgewinn fehlt. Da darf beim Finale nichts schiefgehen“, blickt er schon auf den finalen Schlagabtausch beim Novemberpokal voraus.

Zweimal Platz zwei geht auf das Konto von Andreas Beier, der damit noch theoretische Chancen auf die Meisterschaft hat. Dennoch war der KTM-Fahrer, der zudem an beiden Tagen guter Fünfter im Championat wurde, nicht wirklich zufrieden. „Von den Prüfungszeiten her bin ich einfach nicht dort, wo ich gern sein würde. Ich versuche immer, sauber und ordentlich zu fahren, aber gerade in den technischen Passagen verliere ich einfach zu viel. Das ist schon etwas deprimierend und macht mich ein wenig unglücklich, zumal ich noch keinen Lösungsansatz gefunden habe“, zeigt sich Andi sehr nachdenklich.

Am ersten Tag holte sich Chris Gundermann den dritten Platz, der aber nur mit den ersten eineinhalb Runden zufrieden war. „Danach lief nicht mehr viel zusammen“, gibt er ehrlich zu. „Für die große 500er Maschine war das definitiv der falsche Ort. Ich habe mich gefühlt, wie ein 30-Jähriger auf dem Kinderspielplatz“, scherzt der KTM-Fahrer angesichts der teilweise sehr engen Prüfungspassagen. Am Sonntag dann war ihm nicht mehr zum Lachen zumute, denn da musste der KTM-Fahrer seine „500er“ mit technischem Defekt abstellen. So erbte Leonhard von Schell den letzten Podestplatz, seinem ersten in der DEM überhaupt. „Man muss auch einmal etwas Glück haben, aber eben auch erst einmal durchfahren“, meint der Beta-Fahrer mit einem Augenzwinkern.

DEM – Junioren
Maximilian Wills bleibt auch auf dem für ihn eher ungeliebten, sandigen Terrain auf der Siegerstraße und nimmt damit klar Kurs in Richtung Titelgewinn. „Ich bin gut drauf, habe viel Fitness-Training gemacht. Dann habe ich versucht, die Konzentration immer hoch zu halten und so wenig wie möglich Fehler zu machen“, so sein Erfolgsrezept, „allerdings ging es mit dem ‚keine Fehler machen‘ nicht immer auf, denn am Samstag bin ich viermal und am Sonntag dreimal gestürzt“, winkt der Husqvarna-Fahrer, der das Wochenende in Summe als „verdammt anstrengend“ bezeichnet, mit einem Lachen ab.

Oskar Wolff, eher ein Spezialist für den weichen Untergrund, belegte „mal wieder“, wie er leicht resignierend meinte, zweimal den zweiten Platz. Das ihm dieses Resultat überhaupt gelang, ist angesichts seiner Vorgeschichte nicht hoch genug anzurechnen. „In der Vorwoche war ich erkältet. Zudem musste ich freitags noch arbeiten. So bin ich erst sehr spät angereist und konnte mir lediglich den ersten Test kurz anschauen, dann war es schon dunkel. Also bin ich quasi im Blindflug in das Wochenende gestartet“, so der Husqvarna-Fahrer.

Das Podium komplettierte am ersten Tag, wie schon in Rehna, der immer besser in Fahrt kommende Nils Teegen. Am zweiten stand dann Karl Weigelt mit auf dem Treppchen, der am Samstag beim abschließenden Service noch eben schnell die Kupplung wechseln musste.

Weiterer Meistertitel vergeben
Neben der Titelentscheidung in der E1 sind auch in der Deutschen Enduro-Mannschaftsmeisterschaft vorzeitig alle Messen gelesen. Denn mit zwei weiteren Tagessiegen ist das Team vom ADAC Sachsen mit dem Fahrer-Trio Luca Fischeder, Edward Hübner und Andreas Beier, der Konkurrenz uneinholbar enteilt!

Premiere im B-Championat
Äußerst spannend geht es im DMSB-Enduro-Cup zur Sache. Denn dort stand am Samstag zum ersten Mal Patrick Röder ganz oben auf dem Podium. Am zweiten Tag gelang dann Pascal Sadecki dieses Kunststück! Anzumerken sei an dieser Stelle, dass in den bisherigen sechs Läufen immer andere Fahrer das B-Championat für sich entscheiden konnten. So waren es in Uelsen Lars Oldekamp und Garry Dittmann, dann folgten in Waldkappel Felix Melnikoff und in Rehna Leon Thoms. In der Gesamtwertung liegen aktuell Patrick Röder und Garry Dittmann gleichauf an der Spitze!