Rüdersdorf

DEM-Finale Rüdersdorf 2020 – Hamish Macdonald triumphiert auf ganzer Linie!

Das Finale in Rüdersdorf hatte es rundum in sich! Für den ausrichtenden MC Woltersdorf e.V. im ADMV bestand die größte Herausforderung darin, trotz widrigster Umstände rund um das Thema Corona, überhaupt seinen Novemberpokal 2020 ausrichten zu können. Für die Fahrer hingegen waren das schlechte Wetter und die daraus resultierenden schlammig, schmierigen Streckenverhältnisse der wohl größte Feind. Schon beim obligatorischen Ablaufen der beiden, mit unzähligen langen und kurzen Auf- und Abfahrten gespickten Sonderprüfungen, konnte man von Glück sprechen, nicht bereits da den ersten unfreiwilligen Bodenkontakt zu haben. Bei der zweitägigen Zeitenhatz waren dann Ausrutscher und Stürze jedoch kaum vermeidbar, so glatt und rutschig war das Terrain!

Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft (Championat)

Die erste Duftnote setzte allerdings nicht Hamish Macdonald, sondern dessen Teamkollege Luca Fischeder. Der Sherco-Youngster erwischte am ersten Fahrtag eine grandiose erste Runde. Bestzeit im Extrem- sowohl als auch im Enduro-Test! Doch danach spielte der Top-Favorit seine ganzen Qualitäten aus und setzte sich wieder an die Spitze. „Es war ein guter Tag. Ich begann leider etwas zu langsam, weil die Strecke glatt und schmierig war. Doch aber der zweiten Runde, als sich ein paar Rinnen ausgefahren hatten, lief es richtig gut. Einen kleinen Crash hatte ich noch, aber nichts Wildes. Es hat Spaß gemacht, ich mag solche schlammigen Bedingungen total“, lacht der Tagessieger.

Dennis Schröter erkämpfte sich Rang zwei, wenngleich er die Bedingungen nicht ganz so lustig empfand, wie der Neuseeländer. „Es war okay“, ließ er sich mit einem verschmitzten Lächeln lediglich entlocken. „Es waren wirklich harte Bedingungen. Ich denke, jeder hat heute ein paar Fehler gemacht. Auch ich bin nicht ganz ohne um die Runden gekommen. Zum Glück waren es immer nur kleinere Dinge. Von daher passt alles“, zieht der Husqvarna-Fahrer ein zufriedenes Resümee.

Für Luca Fischeder, der nach der ersten Runde noch führte blieb am Ende Rang drei, über den er sich mächtig freute. „Mein bestes Resultat, endlich einmal unter den Top Drei“, jubelt der 21-Jährige. „Einziger grober Fehler ist mir in der dritten Runde im Extrem-Test unterlaufen, da habe ich zu viel gewollt. Ich bin aus einer Rinne rausgeschnappt und einen Berg hinunter ins Unterholz gerutscht. So musste ich den Hang noch einmal komplett von unten anfahren.“

Starke Leistung auch von Edward Hübner, der seinen anfänglichen Rückstand immer weiter verkürzte und noch bis auf eine Sekunde an Luca Fischeder herankam. Dahinter sorgte als Tagesfünfter Chris Gundermann für eine faustdicke Überraschung, die er trocken mit „Jetzt bin ich endlich im Endurosport angekommen“ kommentierte. Dabei überholte er im letzten Test Björn Feldt, der sich mit Rang sechs dennoch zufrieden zeigte.

Tag zwei stand von Beginn an ganz im Zeichen von Hamish Macdonald. Von der ersten Prüfung weg dominierte der Neuseeländer das Geschehen und fuhr am Ende überlegen seinen sechsten Sieg in Serie nach Hause. Ungeschlagen und damit hochverdient wurde der neue Internationale Deutsche Enduro Meister mit einer großen Sektdusche von seinem Team in Empfang genommen. „Den Titel zu gewinnen, ist natürlich toll. Das war mein großes Ziel und ich freue mich, dass es geklappt hat“, strahlt der neue Champion.

Mit Tagesrang zwei fuhr Luca Fischeder sein bis dato bestes Ergebnis ein. „Es ist wirklich unglaublich. Ich habe den ganzen Tag über versucht, einen guten und sicheren Rhythmus zu finden, aber auch zu attackieren. Das war nicht ganz leicht. Dass es letztlich Platz zwei geworden ist, finde ich grandios. Vor allem habe ich es wenigstens noch einmal geschafft, Dennis zu schlagen, bevor er abtritt. Das ist schon etwas besonderes, er hat ja die ganzen Jahre bestimmt und war unter jeden Bedingungen immer konstant ganz vorn dabei. Das ist äußerst beeindruckend, davor habe ich riesigen Respekt“, zeigt sich Luca, trotz seines grandiosen Abschneidens auch etwas ehrfürchtig vor Altmeister Dennis Schröter, der zu seinem Karriere-Ausklang Vierter wurde.

Daran, dass es abschließend nicht für einen Podestplatz reichte, hat Edward Hübner eine Aktie. Der Routinier spielte auf dem rutschig, schlammigen Terrain seine ganze Erfahrung aus und wurde Dritter. „Ich bin zufrieden, wenngleich vielleicht sogar Platz zwei möglich gewesen wäre. Doch im Extrem-Test bin ich einmal recht heftig über einen Baumstamm abgeflogen, danach war es mir in den nächsten Kurven nicht ganz so gut“, gesteht der KTM-Fahrer.

Hinter Dennis Schröter belegte Florian Görner sensationell Rang fünf. Auch er fuhr damit sein bestes Karriere-Ergebnis ein, während Davide von Zitzewitz nur ums Überleben kämpfte. Beim 28-Jährigen entzündete sich am Vorabend der linke Mittelfinger, so dass er am Morgen kaum den Lenker richtig festhalten konnte. Folglich war nicht mehr als Rang sieben drin, was ihn in der Championats-Endabrechnung den dritten Platz kostete. Über diesen durfte sich Luca Fischeder freuen, der damit neben Sieger Hamish Macdonald und Dennis Schröter auf dem Podium stand.

DEM - Klasse E1
Nachdem es weder in Burg noch in Tucheim für Jonathan Rossé zufriedenstellend lief, drehte der Schweizer beim Novemberpokal gehörig auf. Platz eins am ersten Fahrtag, über den sich der Yamaha-Fahrer unheimlich freute. „Es war ein toller Tag. Die schweren Bedingungen, der technische Anspruch, alles kam mir sehr entgegen. Nachdem ich bei den letzten Rennen nicht wie erhofft abgeschnitten hatte, bin ich wieder in die Schweiz gegangen und habe dort trainiert. Das Wetter war ähnlich, nur Regen. Wahrscheinlich war das der Grund, weshalb ich hier so gut mit allem klar gekommen bin“, strahlt Jonathan Rossé.

Platz zwei ging an Robert Riedel, der mit Tag eins bei seinem Heimrennen überhaupt nicht glücklich war. „Es gab keinen Test, in welchem ich problemlos durchgekommen bin“, seufzt der KTM-Fahrer, „mal bin ich gestürzt, mal bin ich am Hang hängen geblieben.“ Dennoch konnte er seine Tabellenführung erfolgreich verteidigen, da sein einzig verbliebener Titelrivale Yanik Spachmüller als Dritter weitere Punkte einbüßte.

Der zweite Fahrtag sollte nun der große Tag von Robert Riedel werden, der die große Chance hatte, direkt vor seiner Haustür den E1-Titel perfekt zu machen. Übermäßig nervös schien ihn diese Tatsache aber nicht zu machen. Gut geschlafen und gut gefrühstückt habe er. Also beste Voraussetzungen für einen perfekten Tag. Und der sollte es für den Lokalmatador tatsächlich werden. Souverän zog er seine Runden, ohne sich auch nur einen größeren Schnitzer zu erlauben. „Es lief wirklich perfekt, das ganze Gegenteil von gestern“, strahlt der frischgebackene E1-Meister überglücklich im Ziel. „Beim Heimrennen den Titel einzufahren, etwas Größeres gibt es doch nicht, oder? Ich bin wirklich sehr happy.“

Tageszweiter wurde Yanik Spachmüller, der wie im Vorjahr starker Vizemeister wurde. Auf Platz drei landete Vortagessieger Jonathan Rossé, der damit in der Meisterschaft noch einen Sprung bis auf Platz fünf nach vorn machte. Währenddessen konnte sich Tristan Hanak über Bronze in der Meisterschaft freuen, wenngleich er zugab, dass dieses schlammige Terrain nicht wirklich seine Welt sei.

DEM - Klasse E2
Sieg für Hamish Macdonald. Aber die volle Punktezahl des ersten Tages ging an Luca Fischeder, der damit weiteren Boden im Duell mit Edward Hübner um den Vizetitel gutmachen konnte. „Schade, dass es am Ende nicht ganz gereicht hat Luca noch abzufangen“, bedauert der KTM-Fahrer Hübner, dem letztlich nur eine Sekunde zu Platz zwei fehlte. „Ich habe heute ein paar Mal das Motorrad weggelassen. Aber ich glaube, das ging heute allen so.“

Davon kann auch Davide von Zitzewitz ein Lied singen. „Ich bin zweimal hängen geblieben. Vor allem eine Situation an so einem kleinen Baby-Hang wurmt mich. Da habe ich einfach die Balance verloren und es ging rückwärts wieder runter. Es waren schon sehr tückische Verhältnisse“, so der Titelverteidiger, der Rang vier vor Tilman Krause und Christian Brockel belegte.

Am Finaltag das gleiche Bild: Hamish Macdonald gewinnt vor Luca Fischeder und Edward Hübner. Dahinter folgten Christian Brockel und Davide von Zitzewitz, der einen sehr schmerzhaften Tag durchlebte. „Am Samstagabend begann mein Mittelfinger immer dicker zu werden. Nachts bin ich dann mehrfach aufgeweckt und habe nur gedacht, wie soll das bloß werden“, blickt der KTM-Fahrer auf eine sehr unruhige Nacht zurück. „Es war schon eine echte Qual heute. Nicht nur wegen dem Wetter. Ich konnte mit dem angeschwollenen Finger nicht einmal vernünftig kuppeln und das bei diesen Hängen und dem Wetter. Von daher bin ich sehr froh und extrem erleichtert, dass alles vorbei ist und ich meinen E2-Titel erfolgreich verteidigen konnte.“ In der Endwertung belegten hinter Davide von Zitzewitz, Luca Fischeder Rang zwei und Edward Hübner Platz drei.

DEM - Klasse E3
Es bleibt dabei, in dieser Klasse ist gegen Dennis Schröter einfach kein Kraut gewachsen. Der Husqvarna-Fahrer dominierte das Geschehen und hatte am Ende des ersten Tages mehr als zwei Minuten Vorsprung auf den Zweiten Chris Gundermann. Der Pechvogel der letzten Rennen hatte angesichts dieser Platzierung ein breites Lächeln aufgesetzt. Noch nie war er so gut in der DEM. „Es hat einfach alles gepasst, ich habe von Beginn an meinen Rhythmus gefunden, trotz dass die Strecke so anspruchsvoll war und sich ständig verändert hat. Nach den enttäuschenden Rennen in Burg und Tucheim, bei denen ich durch technische Defekte nicht mal das Ziel sah, habe ich hier alles auf eine Karte gesetzt. Ich wollte es allen noch einmal beweisen.“

Dabei fing der KTM-Fahrer am Ende sogar noch Björn Feldt ab, der zugab, dass ihm am Ende die Körner fehlten. „Gleich raus aus dem langen Enduro-Test und nahtlos gleich wieder rein in den Extrem-Test war schon eine Nummer“, so der Tagesdritte. Erneut undankbarer Vierter wurde Florian Görner, vor Benjamin Meusel.

Auch bei seinem allerletzten Auftritt, dem zweiten Fahrtag beim Novemberpokal 2020, überzeugte Dennis Schröter erneut mit einer großartigen Leistung. „Der Tag heute hat mir nicht ganz so Spaß gemacht. Aber okay, man kann sich die Bedingungen eben nicht aussuchen. Unterm Strich war es eine schöne Saison und mit dem E3-Titel auch ein schöner Abschluss für alle, die in all den Jahren immer hinter mir gestanden haben!“, zeigt sich der 38-Jährige sichtlich erleichtert. „Nun ist alles vorbei. Auf der Etappe habe ich heute einmal daran gedacht und dabei auch einen kleinen Durchhänger bekommen. Jetzt geht es, aber ich glaube die Heimfahrt wird nicht leicht“, befürchtet der E3-Champion unmittelbar nach seiner letzten Zielankunft emotional ein wenig angekratzt.

Tagesrang zwei belegte Florian Görner, der bei den schwierigen Bedingungen förmlich über sich hinauswuchs. „Von mir aus hätte es den ganzen Tag durchgängig regnen können“, lacht der KTM-Fahrer, der unheimlich gern im Schlamm unterwegs ist. „Das ist genau mein Ding. Ich habe schon vor dem Start gedacht, wenn es heute nicht mit dem Podium klappt, wann dann?“

Chris Gundermann zeigte erneut eine starke Leistung und wurde Dritter. Björn Feldt, der ebenfalls seine aktive Karriere in der DEM beendet, wurde undankbarer Vierter. Doch der langjährige Leistungsträger, der immer für Top-Platzierungen gut war, durfte sich am Ende noch einmal über den E3-Vizetitel freuen! Bronze ging an Benjamin Meusel, der den Grundstock dafür bei den zurückliegenden Läufen gelegt hatte. In Rüdersdorf war er nicht ganz so weit vorn im Klassement zu finden.

DEM - Junioren
Schon in Tucheim kündigte Kevin Nieschalk an, dass mit ihm in Rüdersdorf zu rechnen sein wird. „Wenn die Sandrennen endlich vorbei sind, werde ich auch besser“, versprach er vor drei Wochen und hielt Wort. Mit einer starken Leistung sicherte er sich seinen ersten Saisonsieg. „Ich bin ziemlich überrascht, dass es tatsächlich geklappt hat, da ich über den Tag einige Sorgen mit meinem Motorrad hatte. Es ging immer wieder aus und weder unsere Teammechaniker noch ich können sich das Problem momentan erklären. Umso glücklicher bin ich, das alles glatt ging“, zeigt sich der KTM-Fahrer sichtlich erleichtert.

Nur sechs Sekunden dahinter folgte ein stark agierender Lane Heims auf Rang zwei. Platz drei belegte Oskar Wolff, dem auch nur 15 Sekunden auf den Sieger fehlten, Vierter wurde Tabellenführer Noah Wenz, der zwischenzeitlich auch einmal führte. Ein Indiz dafür, wie eng es in dieser Klasse zugeht.

Und das sollte sich auch am Finaltag fortsetzen. Zwar gewann Kevin Nieschalk erneut, doch so richtig freuen konnte er sich nicht. Ein magerer Zähler hat gefehlt, um mit Noah Wenz an der Tabellenspitze punktgleich zu ziehen. „Schade, da kann man nichts machen. Hier in Rüdersdorf habe ich mir nichts vorzuwerfen, ich habe die Punkte bei den vorangegangenen Rennen liegen lassen.“ Dafür war die Freude bei Noah Wenz umso größer, der den vierten Tagesrang, noch hinter Lane Heims und Maximilian Müller belegte. „Als ich vom letzten Test weggefahren bin, wusste ich nicht, ob es reichen würde oder nicht, da einige Fahrer noch in der Prüfung unterwegs waren. Ich habe mir auf der ganzen Etappe bis zum Ziel so meine Gedanken gemacht. Umso erleichterter war ich, als ich am Teamzelt jubelnd begrüßt wurde. Es ist unglaublich schön, dass es mit dem Titel geklappt hat“, so ein restlos glücklicher Noah Wenz. Hinter ihm und Vizemeister Kevin Nieschalk belegte Oskar Wolff in der Endwertung Rang drei.