Tucheim

DEM Tucheim 2020 – Hamish Macdonalds vierter Streich!

Binnen einer Woche fand im Landkreis Jerichower Land bereits der nächste Lauf zur Internationalen Deutschen Enduro Meisterschaft statt. Diesmal waren die Aktiven beim MC Fiener Tucheim e.V. im ADAC gefordert, der erneut eine erstklassige Runde präsentierte. Erstmals, seit gut 25 Jahren, wurde die Strecke in entgegengesetzter Richtung gefahren. Zudem gab es, neben der obligatorischen Prüfung in der Sandgrube, die mit einigen Holz-Hindernissen zusätzlich mühevoll verfeinert wurde, noch einen gänzlich neuen Test. Dieser bekam von den Aktiven, insbesondere durch seine drei sehr selektiven Waldstücke, großes Lob. Tagessieger Hamish Macdonald bezeichnete diesen mit einem breiten Grinsen als: „Crazy good!“

Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft (Championat)

Logisch, dass der Neuseeländer nach der Zielankunft nur so vor guter Laune strotzte. Der 21-Jährige war erneut nicht zu stoppen. Lediglich eine, von insgesamt acht Bestzeiten überließ er der Konkurrenz. Am Ende hatte Hamish Macdonald 38 Sekunden Vorsprung. „Ich bin absolut happy“, strahlt der Tagessieger bis über beide Ohren, „im Test mit den Waldabschnitten musste ich mich zunächst noch etwas heran tasten. Es war eine echte Herausforderung, das richtige Limit zwischen den Bäumen zu finden. Doch im weiteren Tagesverlauf habe ich dann richtig gut pushen können.“

Und das bekam die Konkurrenz wirklich eindrucksvoll zu spüren. Dennis Schröter, der dem Sherco-Werksfahrer zumindest eine Bestzeit abknöpfen konnte, sieht seinen zweiten Rang mit etwas gemischten Gefühlen. „Nicht unbedingt die Platzierung, die ist natürlich okay“, relativiert der 38-Jährige, der nun unaufhaltsam auf die Zielgerade seiner überaus erfolgreichen Karriere einbiegt. „Mit Hamish um den Sieg kämpfen zu wollen, wäre schon fast etwas vermessen, da muss ich realistisch bleiben. Aber der Zeitrückstand wurmt mich dann doch etwas, den hätte ich gern enger gestaltet. Ich wollte heute alles geben, von Beginn an vorn dabei sein. Doch dann bin ich gleich im ersten Test gestürzt, da wollte ich einfach zu viel. Wirklich, wie ein Zwanzigjähriger“, winkt Dennis Schröter lachend ab.

Erneut dritte Kraft im Feld war Davide von Zitzewitz, der einen eher unspektakulären Tag durchlebte. „Ich bin in den Tests immer sturzfrei durchgekommen, was schon einmal wichtig ist. Nur leider habe ich ein paar kleiner Fehler gemacht und auch einmal das Motorrad ausgebremst. Ansonsten war es ein solider Tag“, zieht der KTM-Fahrer insgesamt ein positives Fazit. An vierter Stelle biss sich erneut Luca Fischeder fest, der zu Beginn sogar auf Podiumskurs lag, es gegen Ende jedoch etwas abreißen lassen musste. Dennoch zeigte sich der 21-Jähre hochzufrieden, erneut das starke KTM-Trio Edward Hübner, Robert Riedel und Björn Feldt hinter sich gelassen zu haben.

DEM - Klasse E1
Titelverteidiger Andreas Beier machte seine Ankündigung wahr und verzichtete auf einen Start in Tucheim. So war Robert Riedel zweifellos der Favorit und dieser Rolle wurde er in vollem Umfang gerecht. Eine Bestzeit reihte er an die nächste und holte sich schließlich mit 1:40 Minute Vorsprung überlegen den Tagessieg. „Es lief richtig gut, ich bin hochzufrieden. Einziger Schreckmoment, ich habe einmal eine Bodenwelle derartig erwischt, dass ich einen Schlag auf den Rücken bekam und kurz die Luft weg war. Aber davon abgesehen, war es ein richtig guter Tag“, freut sich der KTM-Fahrer.

Platz zwei ging an Yanik Spachmüller, der eine große Aufholjagd starten musste. Grund hierfür war ein kapitaler Sturz im ersten Test. „Da bin ich an einem, der zahlreich querliegenden Baumstämme zu Fall gekommen. Dabei lag das Motorrad auf dem Kopf und hat den Vorderbremshebel nach unten gedrückt. Das hat mich gleich eine halbe Minute gekostet. Und auch im Anschluss bin ich leider noch dreimal gestürzt. Von daher ist Rang zwei schon noch in Ordnung“, bilanziert der KTM-Fahrer.

Platz drei für Tristan Hanak und damit sein zweites Podium in Folge. Restlos zufrieden war er mit seiner Leistung aber nicht. „Ich hatte heute mental etwas mit mir zu kämpfen. Ich konnte leider nicht so frei agieren, wie ich es sonst von mir gewohnt bin. Im Tagesverlauf wurde es dann aber besser. Ich bin erstaunt, dass es am Ende noch für das Podium gereicht hat.“ Dieses allerdings verpasste Nico Rambow um eine halbe Minute. Dennoch ist Rang vier für ihn seine bis dato beste Saisonleistung. Knapp dahinter wird der holländische Gaststarter Wesley Pittens Fünfter.

DEM - Klasse E2
Auch das Podium der E2 ist ein Abbild der Vorwoche. Hamish MacDonald, der keine DEM-Zähler erhält, gewinnt vor Davide von Zitzewitz und Luca Fischeder. „Es war ein sehr guter Tag, ich bin super zufrieden“, strahlt der letztjährige Deutsche Junioren-Meister, „die erste Runde war für meine Verhältnisse perfekt. Ab der zweiten waren die Tests schon teilweise sehr ausgefahren. Da bin ich ab und an leicht ins Straucheln gekommen. Doch ich habe versucht, meinen Fluss beizubehalten und das Ding durchzuziehen.“

Edward Hübner verpasste als vierter erneut das Podium und zeigte sich dementsprechend nicht ganz zufrieden. „Es war ein unspektakulärer Tag, ich habe mir keine großartigen Fehler geleistet. Dennoch wollten die Zeiten einfach nicht kommen, der Rückstand insgesamt ist mir einfach zu groß“, bilanziert der 32-Jährige, der durch seine WM-Einsätze jetzt fünf Wochen am Stück unter Dauerbelastung stand und zugibt, auch etwas platt zu sein.

Tagesfünfter wurde Tilman Krause, der einen kapitalen Highsider zu verdauen hatte. „Im Test in der Sandkuhle bin ich derartig zwischen den Bäumen abgeflogen, dass ich gedacht habe, jetzt habe ich mir sämtliche Knochen gebrochen. Doch zum Glück habe ich nicht einmal eine Schramme davon getragen“, atmet der KTM-Fahrer tief durch. Platz sechs ging an Altmeister Arne Domeyer.

DEM - Klasse E3
Dennis Schröter deklassierte in seiner Klasse erneut die Konkurrenz. Entsprechend gedrückt zeigte sich im Ziel der Zweitplatzierte Björn Feldt, auf Grund seines Rückstandes von über zwei Minuten. „Ich komme einfach nicht mehr an die Zeiten von den Jungs da vorne ran“, grübelt der KTM-Fahrer auch mit Blick auf das Championat, wo er Rang sieben belegt.

Dafür zeigte sich Benjamin Meusel hochzufrieden. „Jetzt werde ich tatsächlich noch zum Sandspezialist“, scherzt der GasGas-Fahrer, der eigentlich Hartboden bevorzugt. „Aber diese Veranstaltungen wurden dieses Jahr leider alle abgesagt“, bedauert der Drittplatzierte der E3-Tageswertung, der damit sogar den zweiten holländischen Gaststarter Thierry Pittens, seines Zeichen großer Freund von Sandböden, hinter sich lassen konnte.

DEM - Junioren
Zweifellos das spannendste Duell um den Tagessieg spielte sich bei den Junioren ab. Hier ging es zwischen dem Husqvarna-Duo Noah Wenz und Oskar Wolff richtig zur Sache. Noah Wenz, bis dato Sieger aller bisherigen Läufe, erwischte einen schlechten Start in den Tag. „Ich bin im ersten Test gleich gestürzt und habe so extrem viel Zeit liegen lassen. Aber dann habe ich mich wieder ran gekämpft. Wir haben uns quasi gegenseitig angestachelt“, lacht Noah, der aber diesmal am Ende seinen Teamkollegen den Vortritt lassen musste, „im letzten Test habe ich das Motorrad noch einmal ordentlich weggelassen, das war die Entscheidung zu Gunsten für Oskar. Dennoch bin ich zufrieden, das Duell hat heute richtig Laune gemacht.“

Das kann Premieren-Sieger Oskar Wolff nur bestätigen: „Ein toller Tag und ein großartiger Fight, es ging wirklich die ganze Zeit zwischen uns hin und her.“ Ob er aufgeregt gewesen sei, erstmalig so dicht um den Tagessieg gekämpft zu haben, entgegnet der 18-Jährige erstaunlich gelassen. „Ich habe mich da nicht verrückt machen lassen. Da ist mir unser Mentaltraining, welches wir mit dem dmsj-Kader absolviert haben, absolut zu Gute gekommen.“

Platz drei sicherte sich Kevin Nieschalk, der einfach nur froh ist, dass die Sandrennen für dieses Jahr endlich ein Ende genommen haben. „Ich vermisse solche Läufe wie in Streitberg oder Zschopau“, lacht der KTM-Fahrer, dessen Hoffnungen nun auf der, in drei Wochen folgenden Final-Doppelrunde in Rüdersdorf ruhen.